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#1

DER FLUSS DES EWIGEN AUGENBLICKS

in VISIONEN 16.04.2009 13:51
von Licita • 411 Beiträge

Ein Text aus dem Jahr 2007, der sich mit einem aktuellen Text im Jahr 2009 verbindet

An einem Sonntag unternahmen Michael und ich nach einer längeren Arbeitsphase einen Ausflug in die Gärten der Welt im Erholungspark Berlin Marzahn. Das Wetter war wunderschön, die Sonne schien, es war weder zu heiß noch drückend. Dank der vorangegangenen Regenfälle war das Gras saftig und die Pflanzen kräftig und frisch.

Die Gärten der Welt wurden von Gartenarchitekten aus den jeweiligen Ländern und mit ursprünglichen Materialien angelegt. Daher sind die Energien ihrer Ursprungsländer besonders präsent. In Gärten ist generell eine starke Kontrollenergie zu spüren, denn notwendigerweise müssen sie geplant, angelegt gepflegt werden. Besonders intensiv war das im Japanischen Garten zu spüren. Hier empfand ich eine äußerste Komprimierung und Eingrenzung des Bewusstseins. Der Garten sollte der Kontemplation dienen, aber in früheren Zeiten waren strenge Regeln dafür notwendig, um einen reinen, sicheren Raum zu erschaffen. Auf verschlungenen Pfaden erreichten wir einen Pavillon aus Zedernholz, der sich auf einen Zengarten mit trockenem Wasserfall und ringförmig geharktem Kiesbett öffnete. Hier spürte ich DEN FLUSS DES EWIGEN AUGENBLICKS. Die Energien waren angenehm kontemplativ, sogar Kinder wurden hier ruhiger. Es war aber nur durch das Wissen erträglich, diesen Raum jederzeit verlassen zu können.
Das Zedernholz hatte eine ganz zarte, fließende Energie und ich sah feine Wellen-Interferenzmuster wie bei Wasser. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es beim Schiffbau eine so große Rolle spielte.

Wir besichtigten auch den Balinesischen und den Koreanischen sowie den Orientalischen Garten, die jeder auf seine Art das Thema variierten. Schließlich gelangten wir zum Chinesischen Garten, der der größte von allen ist. Dort hatte ich das Bedürfnis, im Teehaus in aller Ruhe einen Tee zu genießen, obwohl ich kein besonderer Liebhaber chinesischer Tees bin. Wir betraten das Gelände durch einen künstlich aus zerklüfteten Findlingen angelegten runden Vorplatz und umrundeten den Teich. Im Halbschatten eines Baumes am Seeufer entdeckte ich einen aufgerichteten Stein, dessen Oberfläche von genau jenen feinen Wasserreflexionen überzogen war, die ich beim Zedernholz wahrgenommen hatte. Es passte zusammen und wurde Bestandteil einer erweiterten Erfahrung.

Wir nahmen alle Einzelheiten des Gartens auf dem Weg zum Teehaus in uns auf und überließen uns ganz dieser friedvollen Stimmung. Der Garten trägt den Namen "Garten des wiedergewonnenen Mondes". Er ist der Wiedervereinigung Deutschlands gewidmet und damit dem Ausgleich der Energien. Im kleinen, zum Teehaus zugehörigen Lädchen erfreuten wir uns an verschiedenen chinesischen Handarbeiten. Dann endlich ließen wir uns auf der Ufer-Terrasse vor dem Teepavillon nieder. Ich bestellte einen Jasmintee. Die Bedienung fragte mich, welchen ich denn gewählt habe. Sie machte mich auf die verschiedenen Variationen Jasmintee aufmerksam, die ich übersehen hatte. Spontan wählte ich "Die sieben Feen". Auch der Name fügte sich wiederum harmonisch in diese zarten Energien ein. Ich ahnte nicht, welches Geschenk ich uns damit gemacht hatte. Mir wurde eine kleine Glaskanne gebracht, in der sich eine kleine Kugel aus zusammengebundenem Jasmin befand. Diese Kugel entfaltete sich nach dem Übergießen mit heißem Wasser ganz langsam, ähnlich der Rose von Jericho in einem wundervollen Schauspiel. Wie groß waren unsere Überraschung und unser Staunen, als aus dem Innern der grünen Teeblätter eine große rote Blüte erwuchs. Es war so wunderschön, das ich immer wieder Wasser aufgoß, um diese göttlich-menschliche Kreation zu bewundern. Der Geschmack des Tees war völlig unwichtig. Auch er war erfüllt von diesen sanften, freudig fließenden Energien. Hier, an dieser Stelle, rundete sich der Besuch zu einer großartigen Erfahrung über den EWIGEN FLUSS DES AUGENBLICKS, die bewegte Ruhe.

Licita Geppert
12.07.2007


Hier der Link zum Text von 2009

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